Person atmet aus unerfindlichen Gründen nicht mehr
Plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand, hochwertige Herzdruckmassage und AED-Einsatz
// SOFORTIGE MASSNAHMEN
Führe diese Schritte in der angegebenen Reihenfolge aus:
- 01 BEWUSSTSEIN UND ATMUNG PRÜFEN (MAX 10 SEKUNDEN)
Reaktion und normale Atmung unverzüglich überprüfen:
- ├─ An den Schultern rütteln und laut ansprechen: „Hallo, hören Sie mich?“
- ├─ Kopf sanft nach hinten überstrecken, Kinn anheben und max. 10 Sekunden auf normale Atmung prüfen.
- └─ Schnappatmung = Herzstillstand: Einzelne, röchelnde oder unregelmäßige Atemzüge sind KEINE normale Atmung; sofort handeln!
- 02 NOTRUF 112 WÄHLEN UND AED HOLEN LASSEN
Sofort Notruf 112 anrufen (Lautsprecher an) und Umstehende gezielt anweisen, den nächsten Defibrillator (AED) zu holen.
- 03 SOFORT MIT DER HERZDRUCKMASSAGE BEGINNEN
Herzdruckmassage in der Mitte des Brustkorbs mit hoher Qualität durchführen:
- ├─ Handballen auf die untere Brustbeinhälfte, zweite Hand verschränken, Arme durchdrücken.
- ├─ 5 bis 6 cm tief und schnell drücken: 100 bis 120 Mal pro Minute (im Takt von „Stayin’ Alive“).
- ├─ Nach jedem Druck vollständig entlasten, ohne den Kontakt zum Brustkorb zu verlieren.
- └─ Reine Herzdruckmassage (Hands-Only CPR) ist für Ungeübte vollkommen ausreichend; Geschulte: 30:2.
- 04 AED SOFORT EINSCHALTEN, SOBALD ER DA IST
Defibrillator einschalten und den automatischen Sprachanweisungen folgen:
- ├─ Elektroden aufkleben: Rechts unter das Schlüsselbein, links unter die Achselhöhle.
- ├─ Abstand halten: Niemand berührt die Person während der Rhythmusanalyse oder Schockabgabe.
- └─ Nach Schock oder Ansage sofort ohne Pause mit der Herzdruckmassage fortfahren.
// KRITISCHE FEHLER (UNBEDINGT VERMEIDEN)
- ✕ Niemals Zeit mit einer Pulskontrolle an der Halsschlagader verschwendenWARUM: klinische Studien beweisen, dass Laien den Puls im Notfall nicht verlässlich tasten können; fehlende Reaktion und keine normale Atmung reichen für die Reanimation aus
- ✕ Keinesfalls zögern, wenn die Person unregelmäßig schnappt oder röcheltWARUM: Schnappatmung tritt bei ca. 50 % aller Herzstillstände auf und ist ein klares Zeichen akuter Hirnhypoxie
- ✕ Die AED-Elektroden nach einem Schock niemals wieder abziehenWARUM: das Gerät überwacht den Herzrhythmus alle 2 Minuten kontinuierlich weiter
- ✕ Die Herzdruckmassage niemals für länger als 10 Sekunden unterbrechen.
- ✕ Keine Angst vor Rippenbrüchen habenWARUM: gebrochene Rippenknorpel heilen wieder, ein unbehandelter Herz-Kreislauf-Stillstand führt nach wenigen Minuten zum Hirntod
“Notruf 112 wählen, fest und schnell in der Brustkorbmitte drücken (100–120 bpm, 5–6 cm tief) und sofort einen AED einsetzen.”
Der menschliche Blutkreislauf ist ein geschlossenes Hochdruck-Hydrauliksystem. Die linke Herzkammer pumpt sauerstoffreiches Blut in die Aorta und hält einen zerebralen Perfusionsdruck von mindestens 60 mmHg aufrecht. Setzt die mechanische Pumpleistung des Herzens schlagartig aus – meist ausgelöst durch ein chaotisches Kammerflimmern oder eine pulslose elektrische Aktivität – stürzt der arterielle Blutdruck in weniger als drei Sekunden auf null ab.
Ohne arterielle Durchblutung verliert das Gehirn nach 10 bis 15 Sekunden das Bewusstsein. Unumkehrbare hypoxische Nervenzellschäden in der Großhirnrinde beginnen bereits nach drei bis vier Minuten.
Die lebensgefährliche Falle der Schnappatmung
Der häufigste und folgenschwerste Fehler von Laienhelfern ist die Fehlinterpretation der Schnappatmung (Agonale Atmung). Bei etwa der Hälfte aller plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstände sendet das sauerstoffverarmte Stammhirn noch einige Minuten lang sporadische, unkoordinierte Refleximpulse an das Zwerchfell.
Dies äußert sich in einzelnen, tiefen, schnappenden oder laut röchelnden Atemzügen im Abstand von 10 bis 15 Sekunden ohne regelmäßige Brustkorbbewegung. Dies ist keine Atmung, sondern das letzte Reflexsignal eines sterbenden Gehirns. Ist eine Person bewusstlos und atmet nicht ruhig, gleichmäßig und normal, liegt ein Herzstillstand vor: Sofort drücken!
Die Mechanik der hochwertigen Herzdruckmassage
Die manuelle Herzdruckmassage komprimiert das Herz zwischen dem Brustbein (Sternum) und der Wirbelsäule. Dadurch wird Blut mechanisch in die Lungen- und Körperarterien gepresst, um etwa 20 bis 30 % der normalen Hirn- und Herzdurchblutung aufrechtzuerhalten:
- Drucktiefe (5 bis 6 cm): Wird weniger als 5 cm tief gedrückt, reicht das ausgeworfene Schlagvolumen nicht aus, um die Koronar- und Halsschlagadern zu perfundieren. Ein Drücken tiefer als 6 cm erhöht das Verletzungsrisiko ohne zusätzlichen Kreislaufnutzen.
- Frequenz (100 bis 120 Schläge pro Minute): Wer zu langsam drückt (< 100/min), baut keinen ausreichenden mittleren Arteriendruck auf. Wer schneller als 120/min drückt, lässt den Herzkammern zwischen den Schlägen keine Zeit, sich wieder mit venösem Blut zu füllen.
- Vollständige Entlastung: Bleibt der Helfer zwischen den Kompressionen auf dem Brustkorb aufgestützt, verhindert der fehlende intrathorakale Unterdruck, dass venöses Blut in das rechte Herz nachströmen kann – die künstliche Perfusion bricht zusammen.
Der Defibrillator (AED)
Die Herzdruckmassage hält den Restkreislauf in Gang, kann aber ein vorliegendes Kammerflimmern in den seltensten Fällen allein beenden. Die einzige wirksame Therapie gegen Kammerflimmern ist die elektrische Defibrillation durch einen AED. Der gezielte Stromstoß depolarisiert alle Herzmuskelzellen gleichzeitig, unterbricht das elektrische Chaos und ermöglicht es dem natürlichen Schrittmacher des Herzens (dem Sinusknoten), wieder einen geordneten Rhythmus zu übernehmen. Jede Minute Verzögerung bis zum Schock senkt die Überlebenschance um etwa 10 %.
112 verbindet direkt mit Feuerwehr und Rettungsdienst. 110 ist die Polizei.
Weitere potenziell relevante Notfallsituationen und angrenzende Gefahrenbereiche.