Ein Gegenstand steckt unübersehbar in einer Person
Pfählungs- und Fremdkörperverletzungen, die biologische Gefäßtamponade und die korrekte Anlage eines Ringpolsterverbandes
// SOFORTIGE MASSNAHMEN
Führe diese Schritte in der angegebenen Reihenfolge aus:
- 01 DEN EINGESPIESSTEN GEGENSTAND NIEMALS HERAUSZIEHEN
Der Gegenstand wirkt als Gefäßstopfen und dichtet verletzte Arterien ab. Herausziehen führt zu massiver tödlicher Verblutung.
- 02 GEGENSTAND MIT POLSTERMATERIAL BEIDSEITIG FIXIEREN
Verbandstoffrollen, Handtücher oder Krawatten ringförmig um den Gegenstand legen und fest anwickeln, um jede Hebelwirkung zu verhindern.
- 03 NOTRUF 112 WÄHLEN & UM DIE WUNDE HERUM ABDRÜCKEN
Druck um die Einstichstelle herum ausüben, ohne den Fremdkörper tiefer hineinzudrücken.
// KRITISCHE FEHLER (UNBEDINGT VERMEIDEN)
- ✕ Niemals den Gegenstand herausziehen, drehen oder lockernWARUM: führt zur massiven inneren Verblutung
- ✕ Niemals Druck direkt von oben auf den Gegenstand ausübenWARUM: treibt ihn tiefer in lebenswichtige Organe
- ✕ Niemals versuchen, herausstehende Metall- oder Holzstangen mit Sägen oder Trennschleifern zu kürzenWARUM: Vibrationen und Hitze zerstören das innere Gewebe
- ✕ Dem Verletzten weder Essen noch Trinken gebenWARUM: Notoperation in Vollnarkose unmittelbar nach Eintreffen im Schockraum erforderlich
“Eingespießte Gegenstände niemals herausziehen; mit einem Ringpolster rundherum fixieren und sofort 112 rufen.”
Ein Arbeitsunfall auf der Baustelle, ein schwerer Autounfall oder ein häuslicher Sturz in ein Geländer kann dazu führen, dass ein spitzer oder stumpfer Gegenstand—ein Baustahl, eine Astgabel, ein Messer oder eine dicke Glasscherbe—tief in den menschlichen Körper eindringt (Pfählungstrauma / Penetrierende Verletzung).
Der unmittelbare Instinkt vieler Ersthelfer, getrieben von Entsetzen und Schmerz, ist es, nach dem Gegenstand zu greifen und ihn mit einem Ruck herauszuziehen.
In der Unfallchirurgie ist das eigenmächtige Herausziehen eines Fremdkörpers am Unfallort einer der tödlichsten Fehler überhaupt.
Der Tamponadeeffekt: Der Fremdkörper als Gefäßpfropfen
Dringt ein Gegenstand in Brust, Bauch oder Gliedmaßen ein, durchtrennt er Haut, Muskeln und arterielle Blutgefäße.
- Die arterielle Läsion: Häufig verletzt die Klinge oder Stange große, unter Hochdruck stehende Blutgefäße (z.B. Oberschenkelarterie, Beckengefäße oder Zwischenrippenarterien).
- Die mechanische Abdichtung (Tamponade): Da der Gegenstand den gesamten Wundkanal lückenlos ausfüllt, presst er die eröffnete Gefäßwand gegen das umgebende Muskel- und Bindegewebe. Er wirkt wie ein dichter Stöpsel auf einem lecken Fass.
- Die Katastrophe beim Herausziehen: Zieht man den Gegenstand am Unfallort heraus, entweicht die Tamponade schlagartig. Das arterielle Blut schießt mit hohem Druck in Körperhöhlen (Bauchraum, Pleuraraum), wo Ersthelfer keinen Druckverband anlegen können. Der Patient verblutet innerhalb von 60 bis 90 Sekunden innerlich.
Die gefährliche Hebelwirkung im Körperinneren
Der Gegenstand darf nicht herausgezogen, aber auch keinesfalls ungesichert bewegt werden:
- Der herausragende Schaft wirkt wie ein langer mechanischer Hebel.
- Wenn der Patient atmet, sich bewegt oder auf der Trage transportiert wird, führt jede minimale Auslenkung des äußeren Endes dazu, dass die innere Spitze wie ein scharfes Skalpell im Kreis schwingt.
- Die scharfe Spitze zerschneidet dabei nachträglich intakte Dünndarmschlingen, durchtrennt Nerven oder punktiert die Hohlvene (Vena cava).
Die Anlage eines Ringpolsterverbandes
Erste Hilfe bedeutet hier: Konsequente Fixierung in situ:
- Den Fremdkörper in der Wunde belassen.
- Ein dickes Polster rings um den Eintrittspunkt aufbauen (mit zusammengerollten Mullbinden, Dreiecktüchern oder speziellen Ringpolstern).
- Die Polsterung mit Verbandmaterial am Körper festwickeln, sodass der Gegenstand absolut wackelfrei fixiert ist—ohne Druck von oben auf den Fremdkörper selbst auszuüben.
- Der Patient wird im Schockraum direkt in den Operationssaal gebracht, wo der Gegenstand erst unter Sicht und chirurgischer Gefäßkontrolle entfernt wird.
112 verbindet direkt mit Feuerwehr und Rettungsdienst. 110 ist die Polizei.
Weitere potenziell relevante Notfallsituationen und angrenzende Gefahrenbereiche.