Gas existiert spürbar in Innenräumen
Odorierte Gasleckagen, Explosionsgrenzen und funkenfreie Gebäudeevakuierung
// SOFORTIGE MASSNAHMEN
Führe diese Schritte in der angegebenen Reihenfolge aus:
- 01 KEINE SCHALTER, TELEFONE ODER FLAMMEN BEDIENEN
Keine Lichtschalter, Klingeln oder Elektrogeräte betätigen (jeder kleinste Funke löst eine Gasexplosion aus).
- 02 FENSTER ÖFFNEN & GEBÄUDE ZU FUSS EVAKUIEREN
Fenster im Vorbeigehen öffnen, Türen offen lassen und alle Personen unverzüglich ins Freie bringen.
- 03 NOTRUF 112 & GASVERSORGER VON DRAUSSEN RUFEN
Notrufe erst in sicherer Entfernung außerhalb des Gebäudes absetzen; Hauptgashahn draußen schließen.
// KRITISCHE FEHLER (UNBEDINGT VERMEIDEN)
- ✕ Keine Lichtschalter betätigenWARUM: auch das Ausschalten eines Lichts erzeugt einen elektrischen Abreißfunken
- ✕ Niemals selbst im Keller oder an Leitungen nach der Leckstelle suchen.
- ✕ Keinen Aufzug zur Evakuierung benutzenWARUM: Schaltfunken des Relais im Schacht
- ✕ Das Gebäude keinesfalls wieder betreten, bevor Feuerwehr und Gasversorger Entwarnung gegeben haben.
“Riecht das Haus nach faulen Eiern: Keinen Schalter berühren, Türen offen lassen und erst von draußen anrufen.”
Erdgas (überwiegend Methan, $CH_4$) ist ein hervorragender Energieträger, da es bei der Verbrennung enorme thermische Energie freisetzt. Mischt sich das Gas jedoch mit dem Sauerstoff der Raumluft in einem Verhältnis zwischen 5 % (untere Explosionsgrenze, UEG) und 15 % (obere Explosionsgrenze, OEG), entsteht ein hochexplosives Gemisch, das auf die kleinste Zündquelle wartet.
Warum Erdgas nach faulen Eiern riecht
In seinem natürlichen Zustand ist Methan vollkommen geruchlos, farblos und ungiftig. Nach verheerenden Explosionskatastrophen im 20. Jahrhundert führten Gesetzgeber weltweit die obligatorische Odorierung ein: Gasversorger mischen dem Brenngas winzige Mengen intensiv riechender organischer Schwefelverbindungen (z. B. Tetrahydrothiophen (THT) oder tert-Butylmercaptan) bei.
Dieser stechende Schwefelgeruch nach faulen Eiern ist biologisch so intensiv, dass der Mensch ein Gasleck wahrnimmt, lange bevor die untere Explosionsgrenze erreicht ist.
Die Gefahr von Mikrofunken
Der fatalste Fehler bei Gasgeruch ist der reflexive Griff zum Lichtschalter oder das Klingeln bei den Nachbarn.
Klassische mechanische Wippschalter trennen Kontakte über federbelastete Kupferzungen. Beim Schalten entsteht im mikroskopischen Luftspalt für Millisekunden ein kleiner Lichtbogen (Abreißfunke). In einem gasgesättigten Raum setzt dieser winzige Funke weit mehr als die minimale Zündenergie von 0,28 Millijoule frei – das gesamte Raumvolumen detoniert schlagartig.
112 verbindet direkt mit Feuerwehr und Rettungsdienst. 110 ist die Polizei.
Weitere potenziell relevante Notfallsituationen und angrenzende Gefahrenbereiche.