Körperteil zeigt in eine neue und ungenehmigte Richtung
Knochenbrüche (Frakturen) und Gelenkluxationen, pDMS-Kontrolle und die Gefahren laienhafter Einrenkversuche
// SOFORTIGE MASSNAHMEN
Führe diese Schritte in der angegebenen Reihenfolge aus:
- 01 IN DER VORGEFUNDENEN POSITION RUHIGSTELLEN
Gliedmaße in der bestehenden Fehlstellung mit Polstermaterial oder Schiene fixieren. Niemals Gelenke eigenmächtig einrenken.
- 02 DURCHBLUTUNG, MOTORIK & SENSIBILITÄT PRÜFEN (pDMS)
Peripheren Puls tasten, Rekapillarisierungszeit (<2 Sek.) prüfen, Gefühl und Finger-/Zehenbeweglichkeit testen.
- 03 OFFENE BRÜCHE STERIL ABDECKEN & NOTRUF 112
Herausragende Knochenteile steril abdecken (keinesfalls zurück in die Wunde drücken) und Rettungsdienst alarmieren.
// KRITISCHE FEHLER (UNBEDINGT VERMEIDEN)
- ✕ Niemals versuchen, ein ausgekugeltes GelenkWARUM: z.B. Schulter, Knie oder Finger) selbst einzurenken (zerreißt Gelenklippen, klemmt Nerven ein und schädigt Gefäße
- ✕ Niemals abgeknickte Knochenbrüche am Unfallort gewaltsam geraderichtenWARUM: außer bei speziellem Rettungstraining in extremer Wildnis bei vollständigem Pulsausfall
- ✕ Niemals herausstehende Knochenenden zurück unter die Haut schieben.
- ✕ Dem Verletzten vor der ärztlichen Untersuchung kein Essen, Trinken oder Schmerztabletten gebenWARUM: Notoperation in Vollnarkose oft binnen weniger Stunden erforderlich
“In der vorgefundenen Stellung polsternd ruhigstellen, niemals Knochen oder Gelenke gewaltsam einrenken und Durchblutung (pDMS) prüfen.”
Ein Sturz aus großer Höhe, ein Sportunfall oder ein Verkehrsunfall kann die mechanische Belastbarkeit des Knochens überschreiten (es kommt zur Fraktur) oder die schützende Gelenkkapsel zerreißen, sodass der Gelenkkopf aus der Pfanne springt (Luxation).
Das Bild ist für Laien oft schockierend: Ein Arm ist in unnatürlichem Winkel verdreht, die Schulter weist eine tiefe Delle auf oder ein Knochenende schaut durch die Haut.
Der Hollywood-Mythos: Warum „selbst Einrenken“ verheerend ist
In Actionfilmen sieht man regelmäßig Helden, die sich eine ausgekugelte Schulter mit einem wuchtigen Ruck an einer Wand oder einem Baumstamm selbst wieder „hineindrücken“.
In der realen menschlichen Anatomie ist laienhaftes Einrenken ein Desaster:
- Um jedes große Gelenk verläuft ein eng anliegendes Gefäß-Nerven-Bündel (z.B. der Nervus axillaris und die Arteria brachialis an der Schulter; die Kniekehlenarterie am Knie).
- Bei einer Verrenkung stehen diese Strukturen wie straff gespannte Gitarrensaiten über messerscharfen Knochenkanten.
- Wer ohne Schmerzausschaltung, Muskelrelaxanzien und Röntgenkontrolle am Gelenk reißt, quetscht Nerven ab oder schert Gefäße ab: Aus einer unkomplizierten Luxation wird eine bleibende Lähmung oder Durchblutungsnot.
Die lebenswichtige pDMS-Kontrolle
Bei jeder Verletzung an Arm oder Bein prüfen Ersthelfer die pDMS (periphere Durchblutung, Motorik, Sensibilität) jenseits der Bruchstelle:
- Durchblutung: Puls am Handgelenk oder Fußrücken tasten; Nagelbettprobe (Rekapillarisierungszeit < 2 Sekunden).
- Motorik: Den Verletzten bitten, vorsichtig mit den Fingern oder Zehen zu wackeln, ohne das Gelenk zu bewegen.
- Sensibilität: Sanft über die Fingerkuppen oder Zehen streichen: Fühlt sich das Berühren normal an oder taub/kribbelnd?
Fehlt der Puls oder ist die Hand eiskalt und weiß, klemmt das Knochenfragment die Hauptschlagader ab. Dies ist ein dringlicher chirurgischer Notfall!
Die Regel beim offenen Bruch
Durchstößt der Knochen die Haut (offene Fraktur), steht der Schutz vor Keimen an oberster Stelle:
- Knochengewebe ist schwammartig porös und saugt Bakterien und Textilfasern auf.
- Niemals den Knochen zurückschieben! Die Wunde steril abdecken, die Gliedmaße weich polstern und den Betroffenen nüchtern lassen für die unverzügliche operative Versorgung.
112 verbindet direkt mit Feuerwehr und Rettungsdienst. 110 ist die Polizei.
Weitere potenziell relevante Notfallsituationen und angrenzende Gefahrenbereiche.